Immer mehr Autokratien auf der Welt – aber auch mehr demokratischer Widerstand


Immer mehr Autokratien auf der Welt – aber auch mehr demokratischer Widerstand


26.03.2026, Die Demokratie ist in der Defensive. Das zeigt der Transformationsindex 2026 der Bertelsmann Stiftung (BTI). Vor zwanzig Jahren wurde der BTI erstmals erhoben, damals waren die Demokratien noch in der Mehrheit. Heute werden 56 Prozent der 137 vom BTI untersuchten Staaten autokratisch regiert. Zu besserem Regieren führt dies jedoch nur selten. Autokratien sind anfälliger für Korruption, weniger gestaltungsfähig und konsensorientiert.Beispiele wie Polen oder Brasilien zeigen jedoch: Gesellschaftlicher Widerstand und politischer Wettbewerb können den Weg zurück zur Demokratie ebnen.

Eine Mehrheit von 77 der 137 vom BTI untersuchten Staaten wird heute autokratisch regiert, sie gehen immer repressiver gegen Opposition, Medien und Zivilgesellschaft vor. 52 dieser Staaten sind harte Autokratien, in denen Grundrechte vollständig missachtet werden – so viele wie nie seit Beginn der Erhebung 2006. Aber auch in zahlreichen Demokratien setzen sich autokratische Tendenzen durch. „Viele gewählte Regierungen haben demokratische Kerninstitutionen ausgehöhlt, um sich an der Macht zu halten. Das ebnet den Weg in die Autokratie“, sagt Demokratie-Expertin Sabine Donner.

In 54 Prozent der Länder erfüllen Wahlen keine Mindeststandards mehr. In einigen Staaten wie in Gabun oder Niger wurden sie nach Militärputschen ausgesetzt, in Belarus, Russland oder Ruanda sind sie streng kontrollierte Legitimationsrituale. Zahlreiche freie und faire Wahlen führten aber auch zu friedlichen Regierungswechseln. In Madagaskar, Tansania und Venezuela wurden Massenproteste nach Wahlmanipulationen zwar gewaltsam niedergeschlagen, verstärkten aber die politische Mobilisierung über den Wahltermin hinaus.

Beispiele wie El Salvador, Serbien oder die Türkei zeigen, dass sich das oft bemühte Versprechen autoritärer Effizienz nur selten erfüllt. In mehr als 100 Ländern wird Korruption nur unzureichend bekämpft, zwei Drittel davon sind Autokratien. „In Autokratien müssen Loyalität belohnt und Pfründe gesichert werden“, sagt BTI- Experte Hauke Hartmann. „Die vermeintliche Effizienz autoritärer Regime ist ein Mythos.“

Anhaltende Missstände sorgen aber weiterhin dafür, dass Proteste unzufriedener Bürger:innen nicht abreißen. In Bangladesch, Nepal und Sri Lanka erzwangen Proteste eine demokratische Öffnung. In Brasilien und Polen gelang eine demokratische Trendwende. „Der BTI zeigt, wie stark demokratische Institutionen unter Druck geraten – gleichzeitig sehen wir an vielen Stellen einen bemerkenswert lebendigen Widerstand gegen ihre Aushöhlung“, sagt Daniela Schwarzer, Vorständin der Bertelsmann Stiftung. „In dieser Mobilisierungsfähigkeit, die vor allem von einer aktiven Zivilgesellschaft ausgeht, liegt ein zentrales Potenzial für demokratische Erneuerung.“

www.bti-project.org

Zusatzinformationen:

Seit 2006 analysiert der Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung im Zweijahres-Rhythmus die Qualität von Demokratie, Marktwirtschaft und Regierungsführung in 137 Ländern. 23 OECD-Staaten wie Deutschland oder die USA sind momentan nicht Teil der Untersuchung. Der Untersuchungszeitraum reicht vom 1. Februar 2023 bis 31. Januar 2025.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, dass alle an der Gesellschaft teilhaben können – politisch, wirtschaftlich und kulturell. Dabei stellen wir die Menschen in den Mittelpunkt. Denn die Menschen sind es, die die Welt bewegen, verändern und besser machen können. Dafür erschließen wir Wissen, vermitteln Kompetenzen und erarbeiten Lösungen. Die gemeinnützige Bertelsmann Stiftung wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet.

Pressekontakt:

Sabine Donner, Telefon: +49 5241 8181-501

sabine.donner@bertelsmann-stiftung.de

Dr. Hauke Hartmann, Telefon: +49 5241 8181-389

hauke.hartmann@bertelsmann-stiftung.de



ENDE Pressemeldung / Pressemitteilung Immer mehr Autokratien auf der Welt – aber auch mehr demokratischer Widerstand


Hinweis der Redaktion: Die Bildrechte liegen beim jeweiligen Herausgeber.



Quellen:
Newsaktuell   HELP.ch


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